9.05.2022 | mona kino

„Dads on Duty“ – „Nicht alle haben einen Vater oder eine so gute Beziehung zu ihrem Vater.“

Vor ein paar Monaten prügelten sich Schülerinnen und Schüler über mehrere Tage in der Southwood High School in Shreveport, Louisiana. Nach und nach wurden sie von der Polizei verhaftet und von einer Polizeiwagenkolonne abtransportiert. Ein Livebericht (https://www.cbsnews.com/news/dads-louisiana-high-school-student-violence/) wurde mehr als 50 Millionen Mal in den sozialen Medien aufgerufen nachdem er in den Abendnachrichten ausgestrahlt wurde. 

Auch ich habe ihn aufgerufen, weil ich mehr über die ungewöhnlich naheliegende Lösung von fünf engagierten Vätern aus Shreveport wissen wollte: „Dads on Duty“, Väter im Dienst. Manche Konflikte, die in der Schule mit Handgreiflichkeiten ausgetragen werden, beruhen darauf, dass im Leben des Kindes ein positiver väterlicher Einfluss fehlt. Ist der Vater unzugänglich oder autoritär, wendet sich das Kind unbewusst an die nächste „männliche“ Institution wie die Schule, um auf sich und seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Gelingt auch hier keine positive „männliche“ Begegnung, besteht die Gefahr, dass Konflikte eskalieren, manchmal sind Polizei und Gerichte involviert. 

Genau dort setzen die Väter von „Dads on Duty“ an: „Nicht alle haben einen Vater oder eine so gute Beziehung zu ihrem Vater. Es ist unser Ziel, den Kindern zu zeigen, wie eine gute Beziehung zu einer männlichen Figur aussehen sollte. Es macht also einen großen Unterschied, einfach hier zu sein.“

Mittlerweile haben sich ihnen 40 Väter angeschlossen, die in Schichten von sechs bis zehn Vätern pro Tag Zeit in der Schule verbringen. Und es werden immer mehr. Dabei haben sie festgestellt, dass es keinen Abschluss in Psychologie oder eine Ausbildung im Umgang mit Kriminellen benötigt, sondern genügt, einfach „nur“ Vater zu sein: Sie grüßen die Kinder mit liebevoller Präsenz, wenn sie morgens die Schule betreten. Und sie machen blöde Witze, wie vor allem Väter das können. Nachmittags achten sie darauf, dass die Kinder die Schule sicher verlassen. Am wichtigsten: Sie sind dafür da, dass die Schülerinnen und Schüler jederzeit ein Ohr zum Reden haben, wenn es irgendwo mal hakt. Das Resultat: keine einzige Prügelei mehr.

Und genau deshalb finde ich „Dads on Duty“ so cool. Es ist die Verbundenheit, die den Unterschied macht. Und die Väter leben diese nicht nur den Schülerinnen und Schülern vor, sondern den ganzen USA. Und innerhalb weniger Wochen spiegeln die Kinder und Jugendlichen genau das: Miteinander anstatt gegeneinander. 

Mona Kino
Drehbuchautorin, Familientherapeutin und Supervisorin
Vermittlungs- und Presseteam bei Empathie macht Schule


Titelphoto: Dad´s on Duty