19.01.2021 | johanna etzold

Online-Unterricht – Zwischenbilanz nach der ersten Woche

Ich habe viel gefragt: Habt Ihr mich gut gehört? Konntet ihr mich gut sehen? Habt ihr etwas verstanden? Und wir haben es hingekriegt! Und ja, alle wollen lieber in der Schule sein. Aber Online-Unterricht ist besser als sich gar nicht zu sehen.

Na klar, war es holprig. Einige Eltern hatten den Link nicht mehr, bei anderen hat es nicht funktioniert. Dann habe ich es plötzlich nicht mehr hingekriegt, den Bildschirm zu teilen. Und natürlich gab es dann Schüler, die es im Handumdrehen machten, allerdings mit ihren Inhalten. Die konnten mir dann aber erklären, wie es funktioniert!

In dieser Woche habe ich unter anderem Yoga angeboten. Und das hat den Kindern so gut gefallen, dass sie mich baten, noch eine zweite Stunde in der Woche anzubieten. Das mache ich: „Mit dem größten Vergnügen!“ Ich konnte beobachten, dass es einigen Kindern entgegen meinen Befürchtungen sogar leichter fiel, bei Stille- und Bewegungsübungen mitzumachen, wenn sie alleine bei sich zu Hause sind und sich unbeobachtet fühlen. Das hat mich gefreut.

Und wie ging es mir? Mich verunsichert es, dass ich nicht so richtig mitbekomme, inwieweit die Kinder dabei sind. Wie gut sie das, was ich versuchte zu vermitteln wirklich verstanden haben oder auch, wie es ihnen heute geht. Mitunter gelang es mir, in den kleinen Gesichtern auf dem Bildschirm zu lesen und ich konnte direkt nachfragen. Manchmal kam dann ein „Ich bin müde!“. Oh ja, das konnte ich gut verstehen. Vor dem Computer sitzen kann ganz schön ermüden. Dann haben wir den Unterricht kurz unterbrochen, konnten kurz die Ohrläppchen oder die Schläfen massieren. Oder auch aufstehen und auf der Stelle rennen. Das bringt auch wieder Energie.

Und die Stille nach dem Online-Unterrichten – die hat mich berührt. Nach einem Morgenkreis oder einer Stunde, in der wir alle gesprochen und uns gesehen haben, drücke ich auf den roten Knopf „Das Meeting verlassen“ und alle sind weg, niemand ist mehr zu hören. Dann fühle ich mich von einem auf den anderen Moment ganz allein. Bis dann die nächste Stunde beginnt. In den Wetterberichten zu Beginn der Stunde, wenn wir kurz darüber sprechen, wie es uns gerade geht, haben einige Kinder dann erzählt, dass es ihnen auch so geht. Und für mich war es gut, das mal anzusprechen.

Und Überraschungen? Ja, die gab es für mich auch. Einige der Kinder, bei denen ich mir vorher so viele Gedanken gemacht hatte, ob sie wohl am Ball bleiben würden, waren sehr aufmerksam und brachten sich ein.

portrait Johanna Etzold

Johanna Etzold
Lernbegleiterin, Psychologin und Mutter von drei Kindern
Vermittlungsteam von Empathie macht Schule

Titelphoto: privat.


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