4.06.2020 | ina rohde

Ungeduld – eine Erkundung

Ich würde mich selbst als sehr geduldigen Menschen beschreiben. Ich kann zum Beispiel stundenlang winzige Perlen auffädeln und ich liebe es, zu puzzeln. Mein Mann hingegen sagt, ich könne nicht warten, bis er etwas zu Ende gesprochen hat – oder warten, bis es endlich losgeht.

Ungeduld hat damit zu tun, dass sich etwas verlangsamt oder zum Stillstand kommt, dass wir unfreiwillig warten müssen und nichts tun können. Etwa im Straßenverkehr, wenn wir im Stau stehen oder in der Schlange im Supermarkt, wenn der Kunde vor mir ausgerechnet jetzt sein Kleingeld loswerden will und jeden Cent einzeln umdreht und zählt. In der Corona-Krise wird diese Ungeduld besonders sichtbar, viele wünschen sich (weitere) Lockerungen: “Ich will endlich wieder…“.

Ungeduld ist in der Regel mit körperlichen Signalen verknüpft und die können sehr unterschiedlich sein: ein Trommeln mit den Fingern, der Herzschlag wird schneller, eine Enge in der Brust oder im Bauch, auch eine allgemeine Gereiztheit oder Zappeligkeit kann sich im Körper breit machen. Manchmal machen wir der Ungeduld auch Luft, indem wir „Ich fasse es nicht“ oder auch „Du Idiot, nun mach schon“ sagen. Ungeduld spiegelt wider, dass wir gedanklich in die Zukunft vorauseilen, wir wollen, dass irgendetwas schneller geht, können nicht abwarten, halten die „Zwangspause“ kaum aus.

In dem Buch  „Achtsam durch den Tag“ findest du eine Übung, um dir deiner Ungeduld bewusst zu werden. Zu dieser Übung möchte ich dich heute einladen.

…Achte auf die Signale deines Körpers: Fingetrommeln, innere Unruhe

…Möglicherweise formen sich Worte wie „Mach doch mal schneller!“

…Warum bist du so in Eile – und was willst du beschleunigen?

…Atme bewusst, spüre deinen Körper, lausche auf die Geräusche in deiner Umgebung.

Verändert diese Übung etwas? Was macht das ganz bewusste Wahrnehmen des Moments, auf den du dich konzentrierst, mit der Ungeduld?

Nimm dir am Abend noch einmal ein paar Minuten Zeit und spüre in dich hinein, ob sich etwas verändert hat. Wie fühlen sich dein Körper und die Atmung an? Was machen deine Gedanken? Wie ist dein Gefühlszustand?

Versuche deine Reaktionen nicht zu bewerten, sondern sieh sie dir an und nimm die ganze Bandbreite von Möglichkeiten interessiert und dankbar wahr.

portrait Ina Rohde

Ina Rohde
Kinderkrankenschwester, Grundschullehrerin und Sonderpädagogin
Vermittlungsteam von Empathie macht Schule

Titelbild von 272447/Pixabay.


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