14.04.2020 | susanne flesch

Von der Irritation, in sich hineinzuhorchen: eine Erkundung

Die Atemübungen waren irritierend für mich: Ich bin ein rationaler Mensch – „in mich hineingehorcht“ habe ich noch nie, und ich hatte noch nie auf diese Art mit mir zu tun.

Ich funktioniere auch in schwierigen Situationen gut, ich bin geübt darin, diese Situationen zu analysieren und mich in Schulkinder hineinzuversetzen, um zu verstehen, was sie eigentlich bewogen hat. Das habe ich auch in vielen Fortbildungen geübt. Doch schon der Einstieg zu dieser Fortbildung – des ersten Moduls von Empathie macht Schule – war anders. Es ging nur um uns. Es war entspannt. Zwischendrin gab es Kaffee und etwas Kleines zu essen. Und wir haben Übungen gemacht, die meine Mutter vermutlich „esoterischen Krimskrams“ genannt hätte.

Am ersten Vormittag dachte ich: „Da kommt noch was“ und habe auf den Beginn der eigentlichen Fortbildung gewartet. Nach dem Mittagessen fingen die Übungen an, zu wirken. Ich war sehr entspannt, habe gegähnt und bin nachmittags sogar in einer Übung weggenickt. Aber in den ersten 1,5 Tagen habe ich innerlich nicht losgelassen. Ich habe nach einem tieferen Sinn gesucht und mich gefragt, was diese Übungen eigentlich erreichen sollen.

Zugleich war da diese Ruhe, die Helle Jensen ausstrahlt – und ich wusste, so eine Ruhe will ich auch gerne. Diese Ruhe will ich auch gerne an meine Schüler und Schülerinnen weitergeben! Und dann dachte ich: „Na gut, ich tue alles, was es braucht, um diese Ruhe zu finden.“

Mein Misstrauen wurde schwächer. Ich habe einfach angenommen, dass ein tieferer Sinn darin liegen wird, in mich hineinzuhorchen. Am zweiten Tag abends setzte dann tatsächlich eine ganz neue Art von Entspannung ein und ich habe bemerkt, dass ich lerne, indem ich mich auf diese Übungen und diese ungewohnt andere Art einlasse.

Am ersten Tag nach dem Modul bin ich tiefenentspannt in die Schule geschwebt. Ich habe einige Male kurz innegehalten und mir gesagt: „Entspannung, kurz atmen. Die Schüler und Schülerinnen haben auch noch ein Sekündchen Zeit.“

Dieser Erfahrungsbericht beruht auf einem Telefoninterview, aufgezeichnet und redigiert von Hella Dietz. Titelfoto von privat.


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