3.05.2020 | carmen szafranski

Was brauche ich und was brauchen die anderen – Übungen zum Innehalten

Nun wird es Realität. Ich werde mit einem kleinen Teil meiner Klasse wieder in die Schule zurückkehren. Da ich Klassenlehrerin einer jahrgangsübergreifenden Lerngruppe der Klassen 4, 5 und 6 bin, beginne ich mit den sieben Kindern aus der 6. Jahrgangsstufe. Es werden ihre letzten Tage und Wochen in dieser Klasse und in dieser Schule sein und ich bin froh, dass wir die Möglichkeit bekommen, Abschied zu nehmen.

Ich habe mir die Hygieneregeln durchgelesen und bin gespannt, wie sie umgesetzt werden können. Doch etwas Anderes beschäftigt mich noch mehr: Wie wird die Begegnung mit den Schülern und Schülerinnen meiner Klasse nach so einer langen und ungewöhnlichen Zeit sein? Wie möchte ich anfangen? Wie kann ich ihnen genügend Raum für das Erlebte geben? 

Wenn ich in den letzten Jahren in einer Situation war, in der ich nicht sicher war, wie ich mich verhalten soll, hat es sich bewährt, mir Zeit zu nehmen, um in mich hineinzuspüren. Und mir die Frage zu stellen: Was will ich und was brauche ich dafür? Dieses kurze Innehalten gibt mir gleichzeitig die Möglichkeit und die Offenheit, zu hören und zu sehen, was mein Gegenüber braucht.

Diese Erfahrung werde ich nutzen. Ich werde meine Gedanken und Ideen, wie wir beginnen können, aussprechen – und gleichzeitig offen für die Vorstellungen der Kinder sein, dafür, wie sie gern beginnen möchten. 

Einige Schüler haben mir in den letzten Tagen schon geschrieben, dass sie sich erst einmal wieder an einen Schultag gewöhnen müssen und nicht nur Englisch, Mathe und Deutsch machen wollen. Das kann ich gut nachvollziehen und habe eine Idee für eine Übung. Vielleicht habt ihr Lust, sie mit euren Schülerinnen und Schülern auszuprobieren?

Die Schreibmeditation:

Es geht darum, einfach mal drauflos schreiben, ohne lange nachzudenken und ohne anzuhalten: Vertraut eurem Bewusstsein und eurer Kreativität!

Ihr benötigt Papier und einen Stift, mit dem ihr sehr gerne schreibt. Dann sucht euch einen ruhigen Platz, an dem ihr bequem schreiben könnt. Stift und Papier liegen nun vor euch. Nehmt Kontakt zu eurer Atmung auf und beobachtet für drei bis fünf Atemzüge, wie er fließt.

Dann bewegt die Finger eurer Schreibhand und schüttelt das Handgelenk ganz leicht.

Jetzt kann es los gehen. In den nächsten vier Minuten schreibt ihr munter drauf los, was euch gerade in den Sinn kommt, möglichst ohne anzuhalten. Dabei geht es nicht um richtig oder falsch, nicht um Vollständigkeit oder logische Zusammenhänge, sondern um Spaß am Schreiben.

Wenn die Zeit um ist, legt den Stift ab und spürt in eure Hand, wie es ihr geht und was ihr jetzt gut tut.

Nach der Übung können sich die Schüler und Schülerinnen darüber austauschen, was sie erlebt haben. 

Ich wünsche euch allen einen guten Start in diesen ungewöhnlichen Schulalltag mit vielen weiteren kreativen Ideen!

portrait Carmen Szafranski

Carmen Szafranski
Lehrerin und Familienberaterin  
Vermittlungsteam von Empathie macht Schule

Titelphoto von The Writing Cooperative/Public Domain


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